• 5. Aug

Wenn der Sommer Feuer fängt

  • Caroline Ligtenberg
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Die Naturbrände bei Venray haben mich tief berührt – und mir gezeigt, wie sich der Makrokosmos in unserem Körper widerspiegeln kann. Trockene Augen, Unruhe und Verstopfung waren meine persönlichen Zeichen für zu viel Hitze und zu wenig Yin. Mit Yin-Dehnungen und kühlender Atmung fand ich wieder mehr Ruhe und Balance.

Hitze, Waldbrände und kühlende Do-In-Übungen

Als die Natur plötzlich ganz nah kam


Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich Feuer roch. Erst später begriff ich, dass der Geruch aus den Maasduinen bei Venray zu mir zog, wo die Natur gerade in Flammen stand. Rauchsäulen über trockenem Land, Flammen, die sich durch etwas fraßen, das eben noch grün war. Es war, als würde die Natur mir etwas zuflüstern, das ich nicht überhören konnte. Das Feuer war nicht irgendwo weit weg – es fühlte sich an, als würde es direkt vor meiner Haustür lodern.

Im Taoismus sprechen wir vom Makrokosmos und vom Mikrokosmos: die große Natur da draußen und der kleine Kosmos in uns, die sich wie zwei Spiegel gegenüberstehen. Was am Himmel geschieht, geschieht im Kleinen auch in unseren Zellen, unserem Atem, unserer Stimmung. Genau das wurde mir in diesem Moment schmerzhaft klar.

Der Makrokosmos in meinem Mikrokosmos

Brennende Augen, Nervösität

Draußen: Trockenheit, Feuer, Unruhe. Und als ich innehielt und nach innen horchte, fand ich dort ein kleines, leises Echo davon. Meine Augen brannten und waren trocken, mein Darm war träge, und in mir kribbelte eine Nervosität, für die ich keinen rechten Grund hatte. Das kühlende, nährende Yin schien gerade auf Kurzarbeit zu sein, während das Yang bereitwillig Überstunden schob.

Das hat mich nicht erschreckt. Es hat mich eingeladen, genauer hinzuspüren – nicht nur über Elemente zu philosophieren, sondern sie tatsächlich im eigenen Körper zu fühlen, wie einen alten Bekannten, der plötzlich vor der Tür steht.

Vom Erkennen ins Erleben

Yin Yoga

Diese Erfahrung trug ich mit in meine nächste Yogastunde wie einen Rucksack, den ich endlich abstellen wollte. Wir bewegten uns in ruhigen Yin-Dehnungen, öffneten behutsam Herz und Brustraum, sanken in eine weiche Vorbeuge und übten die kühlende Atmung, als würden wir kleine Schlucke frischer Luft direkt ans Herz schicken. Jede Bewegung war langsam, weich, ohne jeden Anspruch auf Leistung – genau das, was ein überhitztes System braucht.

Schon nach dieser einen Stunde spürte ich den Unterschied. Die Unruhe hatte sich gelegt wie Staub nach einem Regen. Mein Körper fühlte sich ruhiger an, geerdeter, mehr bei sich. Es war eine ganz direkte, fast greifbare Erfahrung: Lade ich bewusst mehr Yin ein, kann sich auch das innere Feuer wieder beruhigen.

Der Sommer und das Element Feuer

fünf Transformationen


Im Taoismus gehört der Sommer zum Element Feuer – zur Lebensfreude, zur Wärme, zur Bewegung, zum lauten Lachen. Ein wunderschönes Element, solange es genug Yin an seiner Seite hat, das es kühlt und nährt. Fehlt dieses Gegengewicht, trocknet der Boden aus, und ein einziger Funke reicht, um alles in Brand zu setzen. Ein Waldbrand ist Yang in seiner radikalsten Form: schnell, heiß, kaum zu zähmen.

Auch unser Körper kennt dieses Ungleichgewicht im Sommer – zu viel Hitze, zu wenig Yin. Trockene Augen, Verstopfung, Schlafprobleme, innere Unruhe, Herzklopfen oder eine bleierne Erschöpfung sind oft leise Warnsignale, keine Katastrophen. Sie bitten uns, langsamer zu werden, Schatten zu suchen und uns bewusst Kühlung zu gönnen. Anhaltende oder starke Beschwerden gehören natürlich immer in ärztliche Hände.

So stärkst du dein Yin

- Anstrengung in der Mittagshitze meiden – die Sonne braucht dich um zwölf nicht als Gegner

- Morgens oder abends üben, wenn die Luft noch mild ist

- Regelmäßig Wasser oder ungesüßten Tee trinken, in kleinen, stetigen Schlucken

- Pausen im Schatten einplanen und dem Schlaf genug Raum geben


Vier kühlende Übungen

Herz Öffner

1. Yin-Dehnung für Herz und Brustraum

Setz dich bequem hin, im Schneidersitz oder auf einem Stuhl. Verschränke die Hände hinter dem Rücken oder greife sanft ein Tuch. Lass die Schultern sinken wie zwei müde Vögel, die sich zur Ruhe setzen, und öffne den Brustraum ganz sacht. Atme ruhig, und lass beim Ausatmen Schultern, Kiefer und Brustbein weich werden. Bleib fünf bis acht Atemzüge. Die Dehnung darf angenehm sein – dein Herz muss hier keine Prüfung bestehen.


2. Ruhige Vorbeuge

Setz dich mit locker ausgestreckten Beinen hin, ein Kissen unter Knien oder Gesäß macht es dir gemütlicher. Beuge dich langsam nach vorn, wie ein Baum, der sich sanft im Wind neigt, und lass Rücken, Nacken und Arme schwer werden. Bleib ein bis drei Minuten und verlängere behutsam die Ausatmung. Bei Schwindel oder Kreislaufbeschwerden komm langsam wieder nach oben.

3. Kühlende Atmung*

Forme die Lippen zu einem kleinen O, als würdest du durch einen Strohhalm trinken. Atme langsam durch den Mund ein und spüre, wie die Luft kühl über deine Zunge zieht. Schließe den Mund, atme entspannt durch die Nase aus. Wiederhole das fünf- bis achtmal. Wer mag, rollt stattdessen die Zunge ein und atmet durch die kleine Rinne. Übe ohne jede Anstrengung und höre auf, sobald dir schwindelig wird.


4. Jin-Shin-Jyutsu-Griff für ein ruhiges Nervensystem

Such dir ein kühles, schattiges Plätzchen und setz dich bequem hin. Lege eine Hand in die andere, wie eine Schale, die sich in eine zweite Schale bettet, mit den Handflächen zum Bauch gerichtet. Die Finger der oberen Hand ruhen sanft auf der Stelle, an der deine Hand ins Handgelenk übergeht. Mehr braucht es nicht. Bleib so für etwa 20 Minuten sitzen, atme ruhig und spüre, wie dein Nervensystem Schritt für Schritt zur Ruhe kommt – wie ein See, der sich glättet, wenn der Wind sich legt.


Das Feuer darf auf kleiner Flamme brennen


Sommer,Yoga,Spaß

Es geht nicht darum, das sommerliche Feuer zu löschen. Wir brauchen seine Freude, seine Wärme, seine Lebendigkeit – sie gehören zu uns wie der Sommer selbst. Aber jedes Feuer braucht sein Yin, damit es uns wärmt, statt uns auszubrennen.

Also: Trink einen Schluck. Atme tief. Gönn dir eine Pause. Such dir ein Fleckchen Schatten. Und erlaube deinem inneren Feuer, heute einfach einmal ganz sanft auf kleiner Flamme zu brennen.

Spürst du auch, dass dein inneres Feuer eine Abkühlung braucht?

Dann nimm dir einen Moment zum Atmen, Dehnen und Loslassen. In unseren Do-In-Stunden lernst du einfache Übungen kennen, die dir helfen, zur Ruhe zu kommen und dein Yin zu nähren – alltagstauglich, wohltuend und ganz ohne akrobatische Knoten.

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